Camille Graeser – Flüchtling oder Heimkehrer?

Im Archiv des Camille Graeser Archivs, Zürich hat Hans-Dieter Huber 2015 eine kleine Agenda aus dem Jahre 1933 entdeckt, in der Camille Graeser seine Flucht von Stuttgart in die Schweiz festgehalten hat. Er notiert die Personen, die er in Stuttgart und Zürich getroffen hat, die Orte, an denen er sich aufhält sowie die politischen und ökonomischen Zusammenhänge. Das Notizbuch ist insofern einzigartig, da es weder aus der Zeit davor noch aus der Zeit danach Aufzeichnungen gibt. Erst viel später in der Schweiz beginnt Camille Graeser ein Tagebuch zu führen. Der Text rekonstruiert das soziale Netzwerk und die Topologie des sozialen Raums, in dem sich Graeser in Stuttgart und in Zürich bewegte. Als Narrativ benutzt Hans-Dieter Huber zwei Texte des österreichischen Soziologen Alfred Schütz, der 1939 vor den Nazis in die USA fliehen musste. Sein erster, in den USA publizierter Text ist „Der Fremde“, ein zweiter „Der Heimkehrer“. Hans-Dieter Huber nimmt diese beiden Texte und überträgt ihre Argumentation auf die existenzielle Situation des werdenden Künstlers Camille Graeser. The text is also available in English and French versions.

Camille Graeser – Flüchtling oder Heimkehrer? In: Vera Hausdorff/Roman Kurzmeyer im Auftrag der Camille Graeser Stiftung Zürich (Hg.): Camille Graeser. Vom Werden eines konkreten Künstlers. Köln: Wienand Verlag 2020, S. 16-41.